Pflege zum Anfassen: Berliner Schülerinnen und Schüler erleben Pflegealltag im Krankenhaus hautnah
10.03.2026

Das Projekt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie – gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend – verfolgt ein klares Ziel: Schülerinnen und Schüler sollen reale Arbeitswelten unmittelbar kennenlernen. Berliner Krankenhäuser öffnen dafür ihre Türen und bieten Schülergruppen praxisnahe Einblicke in pflegerische Tätigkeiten. Umgesetzt wird das Projekt vom Bildungsträger Modul e.V. in Zusammenarbeit mit der Berliner Krankenhausgesellschaft sowie den beteiligten Ausbildungsteams vor Ort.
Erster Praxistermin im Alexianer Sankt Gertrauden-Krankenhaus
Den Auftakt machten die zehnten Klassen der Konrad-Duden-Schule, die am 3. März 2026 im Alexianer Sankt Gertrauden-Krankenhaus Berlin erstmals an einem halbtägigen praxisorientierten Unterricht teilnahmen. Für die Jugendlichen bedeutete das: den Pflegealltag unmittelbar erleben, Fachkräfte kennenlernen und selbst aktiv werden.
Die umfassende Betreuung des Praxistages lag bei Anke Meyer (Zentrale Praxisanleitung) und Felix Stope (Pflegefachkraft, Ausbildungsbotschafter und Praxisanleiter). Beide arbeiten seit vielen Jahren im Berliner Krankenhauswesen und wissen, was die „Superkraft“ von Pflegekräften ist: „In der Pflege müssen wir Sicherheit ausstrahlen“, betont Felix Stope – eine der zentralen Kompetenzen neben Belastbarkeit, Empathie und echter Begeisterung für den Beruf. „Wir geben Orientierung, schaffen Vertrauen und begleiten Patientinnen und Patienten oft in herausfordernden Momenten. Diese Mischung macht den Pflegeberuf so wertvoll und gleichzeitig so erfüllend.“
Pflegepraxis erleben im Skills-Lab
Nach einem kurzen Kennenlernen ging es direkt in die Praxis und die Jugendlichen testeten im Skills-Lab typische Tätigkeiten im Krankenhausalltag:
Vitalzeichen kontrollieren

Im Skills-Lab wird unter Anleitung das korrekte Messen von Puls, Blutdruck und weiteren Vitalzeichen trainiert.
Mit Unterstützung der Ausbildenden maßen die Jugendlichen gegenseitig Puls, Blutdruck und weitere Vitalwerte. Schnell wurde klar, wie routiniert Pflegekräfte diese Fähigkeiten beherrschen müssen und wie wichtig diese Grundlagen für sichere Entscheidungen im Pflegealltag sind.
Hygiene im Fokus
Warum Händehygiene im Krankenhaus so wichtig ist, erfuhren die Schülerinnen und Schüler durch eine beeindruckende Schwarzlicht-Übung. Nachdem die Praxisanleiter die richtige Desinfektionstechnik demonstriert hatten, konnten die Jugendlichen unter UV-Licht sehen, wo sich noch „unsichtbare“ Schwachstellen befanden. Auch das korrekte An- und Ausziehen von Handschuhen wurde geübt – der vermeintlich simple Handgriff kommt im Berufsalltag mehrfach am Tag vor und muss richtig sitzen. Handgriff, der im Berufsalltag mehrfach am Tag vorkommt.

Reanimationstraining im Skills-Lab: Herz-Druck-Massage und Notfallmanagement im praktischen Einsatz.
„Du rufst den Rettungswagen“ – Reanimation unter realistischen Bedingungen
Ein Höhepunkt war das Training im Skills-Lab Reanimation: Wie reagiere ich auf einen Notfall? Wie funktioniert die stabile Seitenlage? Und was ist zu tun, wenn eine Person nicht mehr atmet? Begleitet vom Takt der Bee Gees übten die Schülerinnen und Schüler an Übungspuppen die Herz-Druck-Massage. Besonders eindrücklich war der Moment, als Schüler Luca die Rollen seiner „Notfallgruppe“ übernahm: „Du rufst den Rettungswagen – und du hilfst mir beim Reanimieren!“ Der Ernstfall wurde greifbar.
Körperpflege ohne Wasser – moderne Pflege kennenlernen
Zum Abschluss ging es um die pflegerische Versorgung von Patientinnen und Patienten. An einer Puppe lernten die Jugendlichen, wie eine hygienische Ganzkörperpflege heute abläuft – unter anderem mit modernen SWASH-Produkten, die das Waschen ohne Wasser ermöglichen. Auch der Umgang mit bettlägerigen Patientinnen und Patienten wurde demonstriert.
Positive Rückmeldungen – und erste berufliche Impulse
In der abschließenden Feedbackrunde stellten viele Schülerinnen und Schüler fest, dass sie sich den Pflegeberuf nun besser vorstellen können. „Wir wissen jetzt viel mehr als vorher – es war spannend, die Tätigkeiten direkt auszuprobieren“, sagte eine Teilnehmerin. Für einige verstärkte sich sogar der Wunsch, später selbst im Bereich Pflege und Gesundheit zu arbeiten.
Weitere Praxistermine mit Berliner Schulen sind bereits in Planung. Die ersten Erfahrungen zeigen: Wenn Jugendliche echte Einblicke in den Pflegealltag bekommen, wächst Interesse – und manchmal entsteht sogar schon ein erster Berufswunsch.
Im Rahmen der Kampagne #PflegeJetztBerlin begleitet die BKG das Projekt als Partner im Bereich der Pflegeberufsorientierung, übernimmt eine koordinierende Schnittstellenfunktion zwischen Berliner Schulen und Krankenhäusern und stärkt damit deren Zusammenarbeit.
