Konsequente Untätigkeit – das wird heiß! Der Polit-Brief im August 2026

13.08.2026

Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft

BKG-Geschäftsführer Marc Schreiner zur aktuellen Situation der Krankenhäuser in Berlin:

Sehr geehrte Damen und Herren,

dass es im Sommer heiß würde ist für die Politik so vorhersehbar wie die nächste Wahl. Zur Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September immerhin legen sich die Parteien in Berlin mit Programmen, Ankündigungen und Versprechen und dem Aufhängen von Wahlplakaten wirklich „ins Zeug“ und bereiten sich mit enormem Aufwand auf das Ereignis vor.

Für die Hitze des Sommers hingegen haben sie nichts unternommen. Weder auf Bundes- noch auf Landesebene. Dabei weisen Träger doch seit langem auf die dringliche Notwendigkeit von Hitzeschutz in Krankenhäusern hin. Jedes Jahr mehren sich Perioden extremer Hitze, zeigt sich die Schutzlosigkeit der Gesundheitseinrichtungen und die fehlenden Möglichkeiten von Verschattung oder Kühlung für vulnerable Patienten oder Beschäftigte. Politik weiß ganz genau, dass es neben schnellem Baurecht und in seine Schranken verwiesenen Denkmalschutz für den Einbau von Kühlmöglichkeiten auch Investitionen braucht.

Doch es passiert nichts Relevantes: Die vom RKI – Robert Koch Institut vermeldete Zahl von über 10.000 Hitzetoten in Deutschland im Sommer 2026 führt allenfalls zu Bedauern und Aktionismus einzelner Politiker und wird aller Voraussicht nach bereits im Herbst vergessen sein. Ähnliches Aufploppen und unbearbeitetes Vergessen von Problemlagen erleben Kliniken übrigens auch im Winter zum Jahreswechsel: Wenn die Notaufnahmen mit „Spreng-Verletzten“ überlaufen wird von Politikern regelmäßig nach einem Böllerverbot gerufen wie jetzt nach Hitzeschutz.

Kliniken können weder Hitzeschutz noch Böllerverbot allein. Stattdessen braucht es Investitionen und politische Entscheidungen durch die Länder. Das Land Berlin hat zuletzt seine Investitionen in Kliniken drastisch heruntergefahren und hat auch keine Diskussion zu einem möglichen Böllerverbot organisiert. Damit nährt sich die Sorge, dass diese Untätigkeit das Grundprinzip politischen Handelns ist und das Aussitzen erwartbarer Katastrophen immer mehr zu dem gehört, was Bürger von politisch Verantwortlichen erwarten dürfen.

Sollte das auch bei den großen Herausforderungen, die dem deutschen Gesundheitswesen bevorstehen, etwa dem Demographie- oder Klimawandel oder einer möglichen militärischen Aggression gegen die westliche Welt, so geübt werden, werden wir scheitern. Um Herausforderungen gerecht werden zu können, muss Politik rechtzeitig auf die Hinweise der Krankenhäuser reagieren und auch investieren. Auf geht’s!

Freundliche Grüße

Marc Schreiner