Betriebserkundung für Lehrkräfte: Pflegeausbildung und Berufsalltag aus erster Hand erleben
05.06.2026

Von der Gesundheitsfachschule ins Krankenhaus
Der Tag begann in der Gesundheitsfachschule Berlin. Schulleiterin Stephanie Jahnke stellte die Ausbildung zur Pflegefachperson sowie zur Pflegefachassistenz vor und gab den Lehrkräften einen umfassenden Einblick in die generalistische Pflegeausbildung.
Dabei wurde deutlich, wie vielfältig und anspruchsvoll die Ausbildung gestaltet ist. Die Teilnehmenden erfuhren mehr über die verschiedenen Praxiseinsätze, Vertiefungsmöglichkeiten in der Akutpflege und Pädiatrie sowie die Unterstützungsangebote der Schule, darunter Lerncoaching und Lerncafé.
Auch das Bewerbungsverfahren stieß auf großes Interesse. In der anschließenden Fragerunde wurde unter anderem diskutiert, welche Voraussetzungen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen sollten und welche Faktoren bei der Auswahl eine Rolle spielen. Deutlich wurde: Neben schulischen Leistungen zählen insbesondere Motivation, Zuverlässigkeit, Sozialkompetenz und praktische Erfahrungen.
Die lebhafte Diskussion zeigte, wie groß das Interesse der Lehrkräfte an konkreten Informationen zur Pflegeausbildung ist. Viele Fragen drehten sich um Zugangsvoraussetzungen, Bewerbungsverfahren und die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern beim Übergang von der Schule in die Ausbildung.
Das Krankenhaus als Lernort

Wertvolle Einblicke: Lehrkräfte bei einem Rundgang im Martin-Luther-Krankenhaus. Foto: Berliner Krankenhausgesellschaft
Nach dem Wechsel ins Martin-Luther-Krankenhaus stand die praktische Ausbildung im Krankenhaus im Mittelpunkt. Praxisanleiterin Dana Mittag zeigte auf, welche zentrale Rolle das Krankenhaus als Lernort spielt. Auszubildende lernen hier nicht nur pflegerische Tätigkeiten, sondern entwickeln berufliches Denken und Handeln in realen Versorgungssituationen.
Sie begleiten Menschen mit akuten Erkrankungen, nach Operationen oder in Krisensituationen und lernen dabei, Verantwortung zu übernehmen, Prioritäten zu setzen und im multiprofessionellen Team zusammenzuarbeiten. Im anschließenden Rundgang erhielten die Lehrkräfte Einblicke in verschiedene Bereiche des Krankenhauses und konnten die Ausbildungsbedingungen vor Ort kennenlernen.
Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter im Gespräch
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Vorstellung der Ausbildungsbotschafter-Initiative der Kampagne #PflegeJetztBerlin. Die Initiative verfolgt das Ziel, junge Menschen über authentische Begegnungen für Pflegeberufe zu begeistern. Auszubildende besuchen Schulen und berichten dort auf Augenhöhe von ihrem Berufsalltag, ihren Erfahrungen und ihren persönlichen Wegen in die Pflege.
Passend dazu kamen im Rahmen der Betriebserkundung fünf Auszubildende des Martin-Luther-Krankenhauses selbst zu Wort. Besonders wertvoll war dabei die Vielfalt der vertretenen Perspektiven: In der Gesprächsrunde berichteten sowohl Auszubildende zur Pflegefachperson als auch Auszubildende zur Pflegefachassistenz von ihren Erfahrungen.

Vorstellung der Pflegeausbildung im Rahmen der Betriebserkundung. Foto: Berliner Krankenhausgesellschaft
Die Lehrkräfte erhielten dadurch Einblicke in unterschiedliche Ausbildungswege, Zugangsvoraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Pflege. Die Auszubildenden sprachen offen über ihren Weg in die Ausbildung, den Übergang von der Schule in den Berufsalltag und die Herausforderungen der ersten Ausbildungsmonate.
Besonders lebendig wurde der Austausch beim gemeinsamen „Mythos-Check“. Themen wie Schichtdienst, Karrierechancen oder die Unterschiede zwischen Pflegefachassistenz und Pflegefachausbildung wurden aus Sicht der Auszubildenden eingeordnet und mit persönlichen Erfahrungen hinterlegt.
So berichteten die angehenden Pflegefachpersonen beispielsweise, dass Schichtdienste zwar eine Umstellung darstellen, gleichzeitig aber auch Vorteile bieten können – etwa mehrere zusammenhängende freie Tage oder Arbeitszeiten, die besser zum eigenen Lebensrhythmus passen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und Pflegefachassistentinnen bzw. Pflegefachassistenten wurde thematisiert. Deutlich wurde, wie eng die Berufsgruppen zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Gerade die unmittelbare Nähe zu den Patientinnen und Patienten ermöglicht wichtige Beobachtungen und trägt wesentlich zur Versorgung bei.
Was junge Menschen wirklich erreicht
Ein besonders spannender Moment entstand durch eine Frage aus dem Publikum:
„Wie hätte man euch in der Berufsorientierungsphase erreichen können?“
Die Antwort der Auszubildenden fiel bemerkenswert eindeutig aus: Klassische Berufsmessen oder Frontalvorträge wurden eher kritisch gesehen. Stattdessen betonten die Auszubildenden, wie wichtig Begegnungen auf Augenhöhe sind – mit jungen Menschen, die selbst von ihrer Ausbildung und ihren Erfahrungen berichten.
Als die Ausbildungsbotschafter-Initiative vorgestellt wurde, kam aus der Runde der Auszubildenden die spontane Rückmeldung: „Genau so etwas hätte uns angesprochen.“ Eine schönere Bestätigung für den Peer-to-Peer-Ansatz hätte es kaum geben können.
Positive Resonanz der Lehrkräfte
Auch die teilnehmenden Lehrkräfte zogen ein positives Fazit. Viele betonten, wertvolle Einblicke in die Pflegeausbildung gewonnen zu haben und ihre Schülerinnen und Schüler künftig noch gezielter über die vielfältigen Wege in die Pflege informieren zu können.
Gleichzeitig bot die Veranstaltung den beteiligten Einrichtungen die Möglichkeit, ihre Ausbildungsangebote vorzustellen und mit den Lehrkräften in den direkten Austausch zu treten. Das Martin-Luther-Krankenhaus und die Gesundheitsfachschule Berlin konnten dabei anschaulich zeigen, welche Perspektiven die Pflegeausbildung jungen Menschen eröffnet.
Starke Partnerschaft für die Berufsorientierung
Die Betriebserkundung ist zugleich ein Beispiel dafür, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Schule, Wirtschaft und Gesundheitswesen sein kann.
Durch die Kooperation von #PflegeJetztBerlin mit der Partnerschaft Schule-Wirtschaft Berlin (PSW) gelingt es, die vielfältigen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in der Pflege in etablierte Berufsorientierungsformate einzubringen und so Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler direkt zu erreichen.
Neben Betriebserkundungen gehören hierzu beispielsweise Formate wie „Schule trifft Wirtschaft“, Ausbildungsmessen, Schulveranstaltungen oder Lehrkräftefortbildungen. Sie schaffen wertvolle Begegnungen zwischen Schulen und Praxis und ermöglichen jungen Menschen authentische Einblicke in berufliche Perspektiven.
Gerade für die Pflegebranche bietet diese Zusammenarbeit die Chance, die Attraktivität und Vielfalt der Pflegeberufe sichtbarer zu machen und frühzeitig mit potenziellen Nachwuchskräften ins Gespräch zu kommen.
Unser herzlicher Dank gilt der Partnerschaft Schule-Wirtschaft Berlin (PSW), der Gesundheitsfachschule Berlin, dem Martin-Luther-Krankenhaus der Johannesstift Diakonie sowie allen beteiligten Auszubildenden für die gelungene Zusammenarbeit und die offenen Einblicke in Ausbildung und Berufsalltag.
Die Rückmeldungen der Lehrkräfte und Auszubildenden haben eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig authentische Begegnungen für eine gelungene Berufsorientierung sind. Formate, die Schule und Praxis miteinander verbinden, schaffen Orientierung, bauen Vorurteile ab und machen berufliche Perspektiven erlebbar – ein wichtiger Beitrag, um junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern.
Verfasserin: Juliane Ghadjar, Koordinatorin Kampagne #PflegeJetztBerlin

