Psychische Resilienz von Klinikmitarbeitern in der zivilen Verteidigung
03.09.2026

Mit dem Webinar setzte die BKG ihre Informationsreihe zur zivilen Verteidigung fort. Dabei gab sie den Berliner Krankenhäusern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung ihrer Vorsorge- und Unterstützungsstrukturen. Denn Klinikmitarbeiter übernehmen in Krisen- und Ausnahmesituationen eine zentrale Rolle. Langanhaltende Belastungen, Schichtbetrieb unter erschwerten Bedingungen oder die Versorgung einer großen Zahl von Patientinnen und Patienten stellen nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch die Beschäftigten vor erhebliche Herausforderungen – im Rahmen der zivilen Verteidigung verschärft durch einen langfristigen Krisenbetrieb, die Versorgung zahlreicher Verletzter, Personal- und Ressourcenengpässe, schwierige Priorisierungsentscheidungen sowie die Sorge um die eigene Familie und das persönliche Umfeld. Vor diesem Hintergrund rücken neben der materiellen und organisatorischen Vorsorge auch die psychische Gesundheit und Resilienz der Beschäftigten stärker in den Fokus.
Neues Konzept für Klinikbeschäftigte vorgestellt
Praxisnahe Impulse lieferten Expertinnen und Experten aus Psychotherapie, Krankenhauspraxis und Sicherheitsmanagement. Dr. Christina Jochim, Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenkammer (DPtV) und Landesvorsitzende der DPtV Berlin, stellte ein neu entwickeltes Konzept zur psychosozialen Resilienz von Klinikbeschäftigten vor (Jochim/Schreiner 2026), das gemeinsam von Psychotherapeutenkammer und Berliner Krankenhausgesellschaft entwickelt wurde. Sie betonte, dass die psychologischen Belastungen eines Bündnisfalls oder einer Lage der zivilen Verteidigung weit über die bekannten Krisenerfahrungen hinausgehen können. Dauerstress, Unsicherheit, die Sorge um Angehörige und schwierige Priorisierungsentscheidungen können Mitarbeiter vor erhebliche psychische Herausforderungen stellen. Resilienz sei daher nicht nur eine individuelle Fähigkeit, sondern auch eine Führungs- und Organisationsaufgabe. Das vorgestellte Konzept soll Krankenhäuser bei Aufbau und Implementierung verlässlicher psychosozialer Unterstützungsstrukturen helfen.
Psychosoziales Versorgungsnetzwerk der Charité: Erfahrungen aus der Covid-19-Pandemie
Barbara Voigt, Leitende Psychologin in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik und Leiterin des Psychosozialen Versorgungsnetzwerks (PSVN) der Charité, stellte die Erfahrungen des Netzwerks aus der Covid-19-Pandemie vor. Das PSVN vereint verschiedene medizinische, therapeutische und soziale Unterstützungsangebote und begleitet Mitarbeiter von der Prävention über die Akutunterstützung bis hin zur Nachsorge. Ziel ist es, Beschäftigten in psychisch belastenden Situationen schnelle und niedrigschwellige Hilfe anzubieten. Die während der Pandemie gewonnenen Erfahrungen verdeutlichen den hohen Stellenwert verlässlicher psychosozialer Unterstützungsstrukturen für die Stabilität und Handlungsfähigkeit von Klinikteams in Krisensituationen
Erfahrungen aus der Einsatznachsorge der Polizei Berlin
Jan Hülsenbeck, Lehrbeauftragter im Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und ehemaliger Leiter des Psychosozialen Dienstes der Polizei Berlin, zeigte auf, welche Erkenntnisse aus der Einsatznachsorge der Polizei für die psychosoziale Versorgung von Klinikbeschäftigten nutzbar gemacht werden können. Am Beispiel des Aufbaus neuer Strukturen der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) erläuterte er die Bedeutung verlässlicher Unterstützungsangebote in psychisch belastenden Situationen. Als zentrale Erfolgsfaktoren nannte er den Aufbau von Vertrauen, die Unterstützung durch die Führungsebene, die Einbindung von Peers sowie die Grundsätze der Freiwilligkeit und Vertraulichkeit. Zugleich verdeutlichte er den Wandel von einer klassischen Sozialbetreuung hin zu einer fest verankerten psychosozialen Einsatznachsorge, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Wichtiger Baustein einer resilienten Gesundheitsversorgung
Die Diskussion machte deutlich, dass die psychosoziale Unterstützung von Beschäftigten ein unverzichtbarer Bestandteil der Krisenvorsorge von Krankenhäusern ist. Neben medizinischen, logistischen und infrastrukturellen Maßnahmen der zivilen Verteidigung gewinnt damit auch die Frage an Bedeutung, wie Mitarbeiter in außergewöhnlichen Belastungssituationen begleitet und unterstützt werden können.
Der fachliche Austausch unterstrich die Bedeutung psychosozialer Resilienz als wesentlichen Baustein einer widerstandsfähigen Gesundheitsversorgung in Krisenzeiten sowie einer wirksamen Vorbereitung auf Krisen- und Verteidigungslagen.
Die Berliner Krankenhausgesellschaft dankt den Referentinnen und Referenten für ihre wertvollen Impulse sowie allen Teilnehmenden für das große Interesse und die engagierte Beteiligung.
Das Konzept zur psychosozialen Resilienz von Klinikbeschäftigten steht hier zum Download bereit:
